Lebensbeschreibung
Prinz Bernhard
Prinz Bernhard wurde am 29. Juni 1911 in
Jena als ältester Sohn von Prinz Bernhard zur Lippe und Baronesse
Armgard von Sierstorpff-Cramm geboren.
Prinz Bernhard verbrachte seine Jugend auf dem elterlichen Landgut
Reckenwalde (heute Woynowo) bei Züllichau (heute Sulechow) im jetzt
zu Polen gehörigen Teil Ostpreußens. Der Prinz erhielt zunächst
Privatunterricht im Elternhaus. Ab dem 12. Lebensjahr besuchte er
das Internat in Züllichau. Später wechselte er auf ein Internat in
Berlin, wo er 1929 die Reifeprüfung bestand.
Anschließend studierte er Jura an den Universitäten von Lausanne,
München und Berlin. 1935 schloss er in Berlin sein Studium mit dem
juristischen Staatsexamen ab und wurde Rechtsreferendar. Nach
seinem Studium trat der Prinz in den Dienst des deutschen
Chemiekonzerns IG Farben. Nach einer Einarbeitungszeit wurde er
1935 Direktionssekretär bei der Pariser Niederlassung des Konzerns.
Er übte diese Tätigkeit bis zu seiner Verlobung mit der
niederländischen Thronfolgerin Prinzessin Juliana am 8. September
1936 aus. Am 27. November desselben Jahres erwarb der Prinz per
Gesetz die niederländische Staatsangehörigkeit.
Heirat und Familie
Am 7. Januar 1937 schlossen Prinz
Bernhard und Prinzessin Juliana der Niederlande die Ehe. Der Prinz
erhielt bei der Eheschließung den Titel „Prinz der Niederlande“.
Das Paar bezog Schloss Soestdijk in Baarn.
Aus der Ehe gingen vier Töchter hervor: Beatrix (1938), Irene
(1939), Margriet (1943) und Christina (1947).
Nach der deutschen Invasion am 10. Mai 1940 flüchtete die königliche Familie nach England. Aus Sicherheitsgründen zog Prinzessin Juliana einen Monat später mit ihren Kindern in die kanadische Hauptstadt Ottawa. Der Prinz besuchte seine Familie dort während des Krieges mehrmals. Die meiste Zeit hielt er sich aber in London auf, wo Königin Wilhelmina und der Ministerrat im Exil residierten. Prinz Bernhard hat in der Zeit von 1940 bis 1945 in England und ab September 1944 auch in den Niederlanden aktiv am Kampf der Alliierten gegen Nazideutschland teilgenommen. Als Befehlshaber der niederländischen Streitkräfte war er im Mai 1945 an den Kapitulationsverhandlungen in Wageningen beteiligt. Im August 1945 war er wieder mit seiner Gemahlin und seinen Kindern in den Niederlanden vereint.
Prinz der Niederlande
Am 4. September 1948 trat Prinzessin
Juliana die Nachfolge ihrer Mutter, Königin Wilhelminas, an.
Während der Regierungszeit Königin Julianas bis zu ihrer Abdankung
1980 führte Prinz Bernhard den Titel „Prinz der Niederlande“. Der
Prinz begleitete seine Gemahlin bei Staatsbesuchen und nahm an
offiziellen Empfängen teil.
Auch auf anderen Gebieten übernahm Prinz Bernhard wichtige
Funktionen. Die mehreren hundert Organisationen und Einrichtungen,
deren Schirmherr, Ehrenvorsitzender, außerordentliches
Vorstandsmitglied oder Ehrenmitglied der Prinz war, bilden einen
Querschnitt durch die niederländische Gesellschaft. Er war u.a.
Aufsichtsratsmitglied der KLM, der Koninklijke Hoogovens und der
Königlich Niederländischen Messeverwaltung, Vorsitzender des
Nationalen Katastrophenfonds, Vorstandsmitglied der
Zentralorganisation für angewandte naturwissenschaftliche Forschung
in den Niederlanden (TNO), Herrenmeister des Johanniterordens in
den Niederlanden, Ehrenvorsitzender des Touringklubs ANWB und des
Tropeninstituts, Schirmherr des Niederländischen Olympischen
Komitees, der Vereinigung zum Schutz der Naturdenkmäler und des
Jüdischen Nationalfonds.
Wirtschaft
Nach dem Zweiten Weltkrieg spielte Prinz
Bernhard beim wirtschaftlichen Wiederaufbau seines Landes eine
wichtige Rolle. Zur Förderung der niederländischen
Handelsbeziehungen unternahm er Goodwillreisen in zahlreiche
Länder.
Von 1954 bis 1976 war Prinz Bernhard Vorsitzender der
Bilderberg-Konferenzen, eines Diskussionsforums für Politiker,
Geschäftsleute und Prominente aus Europa, den Vereinigten Staaten
und Kanada. Die Konferenzen sind nach dem Hotel „De Bilderberg“ bei
Arnheim benannt, in dem das erste Treffen stattgefunden hat. Sie
werden einmal im Jahr, jeweils an einem anderen Ort, abgehalten.
Dabei werden in informellem Rahmen aktuelle politische,
wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklungen erörtert. Noch
heute nehmen Königin Beatrix und manchmal auch der Prinz von
Oranien an diesen Treffen teil.
Militärische Laufbahn
Kurz vor seiner Hochzeit wurde Prinz
Bernhard als Korvettenkapitän à la suite der Königlichen Marine,
als Rittmeister à la suite der Königlichen Landstreitkräfte und als
Titularritmeister des Königlich Niederländisch-Indichen Heeres
(KNIL) vereidigt. 1939 folgte seine Ernennung zum Adjutanten im
besonderen Dienst Ihrer Majestät Königin Wilhelminas.
Dass Prinz Bernhard eine aktive militärische Laufbahn einschlug,
hatte vor allem mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs zu tun.
Während des Krieges erwarb er in England den Militärflugschein.
1941 wurde er zum Honorary Air Commodore der Royal Air Force
ernannt und 1964 zum Honorary Air Marshal befördert.
Während des Zweiten Weltkriegs wurde Prinz Bernhard in kurzer Zeit
mehrmals befördert. 1943 ernannte ihn Königin Wilhelmina zum
Generalleutnant und zum Vizeadmiral und 1944 zum Befehlshaber der
niederländischen Streitkräfte. Im September 1945 wurde er ehrenvoll
aus diesem Amt entlassen und zum Generalinspekteur der Königlichen
Landstreitkräfte ernannt.
Für die außerordentlichen Verdienste, die er sich im Zweiten
Weltkrieg erworben hatte, erhielt der Prinz 1946 das Komturkreuz
des Militär-Wilhelms-Ordens, die höchste militärische Auszeichnung
der Niederlande. Für seine Flugeinsätze wurde ihm das Fliegerkreuz
verliehen. 1984 erhielt er das Widerstands-Erinnerungs-Kreuz. Auch
von den Amerikanern, den Briten, den Franzosen, den Belgiern, den
Griechen und den Tschechoslowaken wurde Prinz Bernhard für seinen
Einsatz während des Krieges ausgezeichnet.
1946 folgte seine Ernennung zum Generalinspekteur der Königlichen
Marine und 1953 die Ernennung zum Generalinspekteur der Königlichen
Luftstreitkräfte. Mit Wirkung von 1970 wurden diese beiden
Funktionen und die des Generalinspekteurs der Königlichen
Landstreitkräfte im Amt des Generalinspekteurs der Streitkräfte
zusammengefasst. 1954 ernannte ihn Königin Juliana zum General und
zum Admiralleutnant. Im September 1976 wurde Prinz Bernhard
ehrenvoll aus dem militärischen Dienst entlassen.
Kultur
Prinz Bernhard war Gründer und
Vorstandsmitglied des Prinz-Bernhard-Fonds. Der Fonds wurde 1940 in
London mit dem Ziel ins Leben gerufen, Geld zu sammeln, damit ein
Beitrag zur Kriegsführung der Alliierten geleistet werden konnte.
Nach dem Krieg erhielt der Fonds die Aufgabe, die Kultur, die
Wissenschaft und den Naturschutz in den Niederlanden zu fördern.
1999 wurde der Name des Fonds in Prinz-Bernhard-Kulturfonds
geändert. Der landesweit tätige Fonds mit Sitz in Amsterdam hat 15
Regionalabteilungen in den 12 Provinzen sowie in Amsterdam,
Rotterdam und Den Haag. Der Prinz überreichte alljährlich im Namen
des Fonds auch mehrere Geldpreise an Künstler und Wissenschaftler.
In jedem Sommer verlieh er Bürgern, die sich lange Zeit
ehrenamtlich auf kulturellem Gebiet betätigt haben, die Silberne
Nelke.
Prinz Bernhard war Vorstandsmitglied der von ihm im Jahre 1958
gegründeten Stiftung Praemium Erasmianum, die jährlich Personen
oder Einrichtungen mit Geldpreisen auszeichnet, die sich auf
kulturellem, sozialem oder sozialwissenschaftlichem Gebiet
besondere Verdienste um Europa erworben haben. Der Erasmuspreis ist
zurzeit mit 150 000 € dotiert und damit der bedeutendste
Kulturpreis der Niederlande. Er wurde u. a. Jan Tinbergen (1967),
Amnesty International (1976), Václav Havel (1986), Simon Wiesenthal
(1992), Jacques Delors (1997) und Hans van Manen (2000)
überreicht.
Von 1956 bis 1977 war Prinz Bernhard Präsident der von Robert
Schuman im Jahre 1954 in Genf gegründeten und seit 1960 in
Amsterdam ansässigen Europäischen Kulturstiftung. Diese Stiftung
fördert die europäische Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Bildung
und der Kunst, des Umweltschutzes, im sozialen Bereich und auf dem
Gebiet der Kulturbeziehungen zwischen Ost- und Westeuropa. Seit
1984 ist Prinzessin Margriet Präsidentin dieser Organisation.
Naturschutz
Der Prinz hat sich immer ganz besonders
für den Naturschutz eingesetzt. 1961 gründete er den World Wildlife
Fund (WWF). Der Fonds ist weltweit auf dem Gebiet des Naturschutzes
tätig. Er setzt sich für die Erhaltung von Flora und Fauna und für
den Schutz der Umwelt ein. Im Rahmen seiner Tätigkeit für den WWF
besuchte Prinz Bernhard regelmäßig asiatische, afrikanische und
südamerikanische Länder. Nachdem er 1977 sein Amt als Präsident
abgegeben hatte, wurde er zum Gründungspräsidenten ernannt. Er
blieb Präsident der niederländischen Sektion des WWF.
1971 stiftete der Prinz den Orden der Goldenen Arche, der Personen
verliehen wird, die sich besonders um die Erhaltung von Flora und
Fauna verdient gemacht haben.
Sport
Der Prinz brachte dem Sport reges Interesse entgegen. Er war Schirmherr vieler Sportverbände, darunter der Niederländische Tennisbund, die Föderation für Behindertensport und der Niederländische Skiverband. Er war lange Jahre Präsident der Internationalen Reiterlichen Vereinigung (FEI). Prinz Bernhard war begeisterter Golfer.
Hobbys
Der Prinz war Hobbyfotograf und -filmer.
Sein besonderes Interesse galt der Fliegerei. Im Sommer 1994
beendete er nach 53 Jahren seine Fliegerkarriere; er hat über 200
Flugzeugtypen geflogen.
Die Sommerferien verbrachte Prinz Bernhard in der Regel in dem
Landhaus l' Elefante Felice in Porto Ercole in Italien. Bis 1994
hatten er und Prinzessin Juliana auch jedes Jahr Winterurlaub
gemacht, meist im österreichischen Lech.