Gastcollege van de Prins van Oranje op de Universiteit van Osnabruck

12 oktober 2012

De toespraak is uitgesproken in het Duits.

Sehr geehrter Herr Professor Bertram,
sehr geehrte Frau Ministerin Wanka,
sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Pistorius,
sehr geehrter Herr Professor Huch,
sehr geehrte Frau Professor Eid (Liebe Uschi),
meine sehr verehrten Damen und Herren!

Ich freue mich sehr, heute in meiner Funktion als Vorsitzender des Beirats des UN-Generalsekretärs für Wasser- und Sanitärversorgung bei Ihnen zu sein. Ich danke unserer stellvertretenden Vorsitzenden Uschi Eid und der Hochschule für ihre Einladung. Wir werden nach meinem Vortrag ja Gelegenheit zur Diskussion haben, und ich möchte Sie schon jetzt ermuntern, sich mit allen schwierigen Fragen vertrauensvoll an Frau Eid zu wenden …

Ich fühle mich geehrt, in Ihrer Friedensstadt sprechen zu dürfen. Wie ich gehört habe, ist Osnabrück nach Umfragen die glücklichste Stadt Deutschlands. Lassen Sie mich kurz umreißen, worüber ich heute sprechen möchte. Zunächst werde ich Ihnen ein wenig von dem erzählen, was Uschi Eid und ich gemeinsam für den Beirat geleistet haben. Danach möchte ich darlegen, wie es um die Realisierung der Millenniums-Entwicklungsziele für Wasser- und Sanitärversorgung bestellt ist. Anschließend werde ich auf die wachsende Bedeutung des Zusammenhangs zwischen Wasser-, Energieversorgungs- und Ernährungssicherheit eingehen. Danach werde ich mit einigen Anmerkungen zur Bedeutung einer soliden Bewirtschaftung von Flussgebieten für die Entwicklung abschließen.

Meine Damen und Herren,

ich bin mir ziemlich sicher, dass wir alle hier heute früh nach dem Aufstehen die Toilette benutzt haben. Eine saubere Toilette, deren Tür wir verschließen konnten, um ungestört zu sein. Wir wussten: die Exkremente werden weggespült und sicher entsorgt. Wir haben alle einen Wasserhahn aufgedreht und uns mit sauberem Wasser die Zähne geputzt. Wir brauchten uns keine Gedanken darüber zu machen, ob das Wasser genießbar ist. Ich bin mir auch ziemlich sicher, dass kaum jemand von uns schon einmal an einer chronischen Krankheit ausgelöst durch verunreinigtes Wasser gelitten hat. Nachdem Sie die Toilette benutzt und genug getrunken hatten, konnten Sie hierherkommen, um zu lernen - körperlich gestärkt und geistig aufnahmefähig.

Für viele Menschen auf der Welt beginnt der Tag ganz anders. Noch immer verfügen 2,5 Milliarden Menschen über keine gesicherte Sanitärversorgung. Das sind rund 37 Prozent der Weltbevölkerung. 887 Millionen Menschen haben keinen Zugang zu einer verbesserten Trinkwasserversorgung, und noch wesentlich mehr haben nicht einmal nachhaltigen Zugang zu hygienisch einwandfreiem Trinkwasser. Mit unabsehbaren Folgen. Für die öffentliche Gesundheit. Für das Wirtschaftswachstum. Für das Bildungswesen. Und nicht zuletzt für die Menschenwürde. Angesichts dieser Tatsachen und der mangelnden weltweiten Fortschritte auf diesem Gebiet gründete der damalige UN-Generalsekretär Kofi Annan 2004 den Beirat für Wasser- und Sanitärversorgung. Sein Auftrag an die Mitglieder: Setzen Sie sich mit all Ihren Fähigkeiten, Ihren Netzwerken, Ihrem Wissen und Ihrer Leidenschaft dafür ein, dass mehr getan und der politische Wille gestärkt wird, das Millenniumsziel zu erreichen: Bis 2015 soll die Zahl der Menschen halbiert werden, die keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser und sanitärer Grundversorgung haben.

Seit 2004 hat unser Beirat mit Ministern in allen Regionen der Welt gesprochen, die für Finanzen, Wasser, Gesundheit und Bildung zuständig sind. Wir haben Vereinbarungen mit der Weltbank und allen großen regionalen Entwicklungsbanken, sowie mit der OECD geschlossen. Wir haben die Afrikanische Union ermutigt, eine Erklärung zur beschleunigten Realisierung der Wasser- und Sanitärversorgungsziele für Afrika zu verabschieden. Außerdem haben wir uns bei den Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen mit Nachdruck dafür eingesetzt, das Jahr 2008 zum Internationalen Jahr der Sanitärversorgung auszurufen. Unsere Ziele wurden im Hashimoto-Aktionsplan I und II festgelegt. Die Pläne wurden nach dem ersten Vorsitzenden des Beirats, dem früheren japanischen Ministerpräsidenten Ryutaro Hashimoto, benannt. Die Aktionspläne destillieren aus zahllosen bestehenden Vereinbarungen und Erklärungen ein kompaktes Maßnahmenpaket für Finanzierung, Monitoring, Sanitärversorgung, integriertes Wasserversorgungsmanagement und Katastrophenvorsorge. Bei alldem haben wir immer die Millenniumsziele für die Wasser- und Sanitärversorgung in den Mittelpunkt unserer Arbeit gestellt.

Mit den im Jahr 2000 verabschiedeten Millenniums-Entwicklungszielen wurden zeitlich befristete Zielvorgaben für Gesundheit, Bildung, Müttersterblichkeit und Armutsreduzierung formuliert. Ein historischer Vorgang. Und im März dieses Jahres verkündete der amtierende Generalsekretär ein denkwürdiges Ereignis: Das Trinkwasser-Millenniumsziel ist erreicht! Damit wurde eines das ersten Millenniumsziel der internationalen Staatengemeinschaft verwirklicht. Diese Nachricht macht Mut. Zwei Milliarden Menschen haben seit 1990 Zugang zu einer verbesserten Trinkwasserversorgung erhalten, und die globale Quote ist von 76 Prozent 1990 auf 89 Prozent im Jahr 2010 gestiegen.

Schauen wir uns die Zahlen etwas genauer an. In den letzten zwanzig Jahren ist die Weltbevölkerung um 1,6 Milliarden Menschen gewachsen. Dieser Anstieg geht fast vollständig auf das Bevölkerungswachstum in Entwicklungsländern zurück. Das bedeutet, dass die Entwicklung des Trinkwasserzugangs mit der Bevölkerungsexplosion nicht nur Schritt gehalten, sondern sie sogar um 25 Prozent übertroffen hat. Ein klarer Beleg für das Engagement, die Beharrlichkeit und die Entschlossenheit der Länder und ihrer politischen Führer zusammen mit Bürgern, Versorgungsunternehmen und zivilgesellschaftlichen Organisationen.

Haben wir es nun geschafft? Nein, und zwar aus mehreren Gründen. So ist es kein Geheimnis, dass jede für die ganze Welt geltende Zielmarke bestimmte regionale und soziale Unterschiede verdeckt. Wir wissen, dass jeder Zweite, der Zugang zu einer verbesserten Trinkwasserversorgung erhält, in China oder Indien lebt. Wir wissen auch, dass nur elf der fünfzig Länder Subsahara-Afrikas das Trinkwasser-Millenniumsziel erreicht haben. Müssen wir also pessimistisch sein? Nein. Die Millenniumsziele sind besonders für die Länder schwer zu erreichen, deren Ausgangssituation 1990 schlecht war und die gleichzeitig mit einem starken Bevölkerungszuwachs konfrontiert werden. Beides trifft auf das subsaharische Afrika zu. Wir haben einmal nachgerechnet: Nicht weniger als 275 Millionen Menschen erhielten in den letzten zwanzig Jahren in dieser Region Zugang zu einer verbesserten Trinkwasserversorgung - das sind jeden Tag durchschnittlich 37 000 Menschen! Wenn das kein Grund ist, die enormen Anstrengungen der afrikanischen Regierungen auf diesem Gebiet zu würdigen!

Aber ist der verbesserte Zugang zu sauberem Trinkwasser auch gerecht verteilt? Wenn wir die Zahlen unter dem Aspekt der Wohlstandsverteilung analysieren, zeigt sich ein Bild dramatischer Ungleichheit. In vielen Entwicklungsländern haben die reichsten zwanzig Prozent der Bevölkerung fast zu hundert Prozent Zugang. Der Anteil bei den ärmsten zwanzig Prozent ist kläglich gering, zum Beispiel in den ländlichen Gebieten Sierra Leones, wo unter den Ärmsten nur jeder Zehnte Zugang zu verbesserter Trinkwasserversorgung hat. Und wir wissen, dass die Hauptleidtragenden dieser Ungleichheit Frauen und Mädchen sind, denn in der Regel sind sie es, die das Wasser von weit her nach Hause tragen müssen. Wie war das noch: morgens einfach den Wasserhahn aufdrehen? Das ist ein Luxus, den viele nicht haben. Dies war auch einer der Gründe für die Annahme einer UN-Resolution, die den Anspruch auf sauberes Trinkwasser und sanitäre Grundversorgung als Menschenrecht festschreibt.  Eine Grundvoraussetzung für ein menschenwürdiges Leben - unabhängig von Reichtum oder Armut! Wasser als Lebensgrundlage.

Eine gewisse Vorsicht ist auch deshalb geboten, weil eine globale Messung der Wasserqualität bisher nicht möglich war. Aus diesem Grund wurde der Indikator "Nutzung verbesserter Trinkwasserquellen" als Maß für den Zugang zu sicherem Trinkwasser herangezogen. So kommt es, dass wir zwar im Großen und Ganzen wissen, wie viele Menschen Zugang zu Trinkwasser haben, dass wir aber nicht genau wissen, ob das Wasser immer von einwandfreier Qualität ist. Studien haben gezeigt, dass eine signifikante Zahl von "verbesserten Quellen" aufgrund ihrer mangelnden Instandhaltung oder ihrer Bauart kein Wasser liefern, das für menschlichen Verzehr unbedenklich ist. Wie nichtverbesserte Quellen weisen sie überhöhte Konzentrationen von Mikroben oder Chemikalien auf. Dieses Wasser erhält kein Leben, sondern es macht krank! Der Konsum von verunreinigtem Wasser setzt einen Teufelskreis von Krankheit und weiterer Verarmung in Gang, der hohe Kosten verursacht und Gesundheit und Entwicklung gefährdet.

Es gibt also Gründe, die Erreichung des Trinkwasser-Millenniumsziels ein wenig zu relativieren. Aber: We are learning by doing, und viele unserer Lehren, Erfahrungen und Erkenntnisse werden von den Frauen und Männern aufgegriffen, die sich schon heute mit der Frage befassen, wie es nach 2015 mit den Millenniumszielen weitergehen soll.
Bei alldem sollten wir aber nicht vergessen, dass wir durchaus Grund zum Feiern haben. Heute können wir all denen gratulieren, die die Verwirklichung des Millenniumsziels nicht als Träumerei abgetan haben, sondern darin einen wesentlichen Schritt zur Verbesserung des Lebens von Millionen von Menschen sahen.

Meine Damen und Herren,

wie steht es nun aber um die sanitäre Versorgung der Menschen? Ironisch ist, dass eines das ersten Millenniumsziel, das verwirklicht wurde, ausgerechnet so eng mit dem Sanitärziel verbunden ist - und damit mit einem der Ziele, bei dem wir besonders stark zurückliegen. Wir leben nach wie vor in einer Welt, in der 2,5 Milliarden Menschen keine angemessene Toilette haben. Das ist nicht in Ordnung. Das ist unentschuldbar. Das ist unmoralisch. Wenn es so langsam vorangeht wie bisher, wird das Millenniumsziel zur Sanitärversorgung nicht vor 2026 erreicht sein. Warum gibt es keine rascheren Fortschritte? Die Experten haben darauf unterschiedliche Antworten, aber so viel steht fest: Kein Politiker, keine Führungspersönlichkeit, ja eigentlich niemand auf der Welt wird gerne mit Toiletten assoziiert. Dieses Stigma hat einen schlechten Einfluss auf internationale und nationale Entwicklungsagenden. Wir müssen ständig dafür kämpfen, dass die Sanitärversorgung im Zentrum der Entwicklungsdiskussionen bleibt. Denn obwohl das Thema so oft im Zusammenhang mit Wasserfragen diskutiert wird, werden ihm erheblich weniger Aufmerksamkeit und Ressourcen gewidmet.

Trotz allem bin ich froh, sagen zu können, dass es Schritte in die richtige Richtung gibt. So verfügen wir heute über bessere empirische Belege für die wirtschaftlichen Vorteile einer angemessenen Sanitärversorgung: Die Weltbank schätzt die wirtschaftlichen Verluste durch schlechte Sanitärversorgung auf jährlich 53,8 Milliarden US-Dollar in Indien und auf 6,3 Milliarden US-Dollar in Indonesien. An diesen Zahlen können auch Politiker und Politikmacher nicht vorbei. Die Regierungen erkennen zunehmend, dass sanitäre Grundversorgung eine Schlüsselkomponente jeder Entwicklungsstrategie ist. Unser Beirat hat dabei geholfen, die UN-Mitgliedstaaten zur Annahme einer Resolution zu bewegen, die erreichen will, dass Menschen künftig nicht mehr gezwungen sind, ihre Notdurft im Freien zu verrichten. Außerdem ruft sie zur Unterstützung der Initiative "Sustainable Sanitation - the Drive to 2015" auf. Generalsekretär Ban Ki Moon brachte diese Initiative letztes Jahr auf den Weg und bekundete damit seinen Willen, sich für das Thema starkzumachen. Es handelt sich dabei um eine Sensibilisierungskampagne, die dafür sorgen soll, dass das Thema Sanitärversorgung im Mittelpunkt des Entwicklungsdialogs bleibt. In diesem Rahmen sollen politisches Engagement und finanzielle Investitionen gefördert und zugleich Aufklärungsarbeit geleistet werden.

Meine Damen und Herren,

unser Beirat kam im November letzten Jahres in Bonn am Rande der sogenannten Nexus-Konferenz zusammen. Bei dieser Konferenz stand der Wirkungszusammenhang zwischen gesicherter Wasser- und Energieversorgung und Ernährungssicherheit im Mittelpunkt. Vielleicht erinnern Sie sich noch an die Nachricht, dass die Weltbevölkerung die Marke von 7 Milliarden Menschen überschritten hat. Sie ging durch die Medien, kurz bevor die Konferenz begann, und entfachte eine intensive Diskussion über natürliche Ressourcen, wachsende Ungleichheit und, vor allem, über die Zukunft des Lebens auf unserem dichtbesiedelten Planeten. Dies waren genau die Themen, mit denen sich die Bonner Nexus-Konferenz 2011 befasste. Wir nähern uns einem kritischen Punkt. Aufgrund der immens steigenden Nachfrage nach Wasser, Energie und Nahrung ist der Druck auf die natürlichen Ressourcen heute so groß wie nie zuvor. Deshalb brauchen wir mehr Nachhaltigkeit, einen Ansatz, der den bestehenden Wechselwirkungen Rechnung trägt. Der Nexus-Ansatz versucht, die Wasser-, Energieversorgungs- und Ernährungssicherheit zu erhöhen, indem er die Effizienz steigert, Zielkonflikte entschärft und sektorübergreifende Synergien erzeugt.

Die Bonner Konferenz hat den Dialog der Regierungen auf dem Rio+20-Gipfel im Juni dieses Jahres beeinflusst. Ich finde es sehr lobenswert, dass Deutschland sich um ein vertieftes Verständnis der Problematik bemüht und dann die gewonnenen Erkenntnisse in den internationalen Dialog über nachhaltige Entwicklung einbringt. Unsere stellvertretende UNSGAB-Vorsitzende, Frau Eid, hatte als Kovorsitzende einen wichtigen Anteil am Erfolg der Bonner Konferenz. Es ist faszinierend zu beobachten, wie sich das Nexus-Konzept seit letztem Jahr mehr und mehr in der ganzen Welt durchsetzt. Im kommenden Monat organisieren unser Beirat und die Afrikanische Union einen Nationalen Nexus-Dialog mit Entscheidungsträgern, Vertretern der Privatwirtschaft und Politikern. Bei dem Treffen werden wir über konkrete Herausforderungen sprechen, sowie ausländische Investitionen in die Landwirtschaft, öffentliche Dienstleistungsstrukturen und Gewinnung von Nahrung aus Abfällen. Herausforderungen, bei denen Wasser-, Energie- und Nahrungsfragen aufs engste miteinander verflochten sind und die wir sehr effektiv mit einem Nexus-Ansatz meistern können.

Meine Damen und Herren,

durch Deutschland fließen einige der bedeutendsten europäischen Flüsse: der Rhein, die Donau, die Oder, die Mosel und die Elbe. Von Anfang an hat der Beirat betont, wie wichtig eine solide Bewirtschaftung grenzüberschreitender Flüsse und Zusammenarbeit der Anrainerstaaten sind. In der ganzen Welt haben Flüsse die Entwicklung geprägt. Sie sind Siedlungsmagneten, liefern Trinkwasser, ermöglichen Bewässerung und sind unentbehrlich für die Industrie- und Energieproduktion. Auf Flüssen werden lebenswichtige Güter transportiert. Flüsse sind die Arterien und Venen unseres Ökosystems. Allerdings führt ihre intensive Nutzung oft zu Verschmutzung, Überschwemmungen und Verteilungskonflikten. Weltweit gibt es über 270 Flusseinzugsgebiete, die von mindestens zwei Staaten geteilt werden. Es liegt auf der Hand, dass für diese Gebiete integrierte Wasserbewirtschaftungskonzepte und internationale Zusammenarbeit notwendig sind.

Ich freue mich, hier feststellen zu können, dass Deutschland über eine einzigartige Erfahrung auf dem Gebiet der Bewirtschaftung grenzüberschreitender  Flusseinzugsgebiete verfügt. Das Wunder vom Rhein hat die Kloake Europas in einen der saubersten Flüsse verwandelt. Sechsundzwanzig Jahre nach der Sandoz-Katastrophe in Schweizerhalle sind die Emissionen fast auf null gesunken und die Wasserqualität ist exzellent. Sogar der Lachs konnte hier wiederangesiedelt werden und wandert heute wieder stromaufwärts. Die Zusammenarbeit zwischen den Anrainerstaaten ist ein Vorbild für die Verantwortlichen in vielen anderen Flussgebieten auf der Welt.

Internationale Zusammenarbeit ist auch auf der globalen Ebene von entscheidender Bedeutung. 1997 haben die Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen das Übereinkommen über das Recht der nichtschifffahrtlichen Nutzung internationaler Wasserläufe geschlossen. Dieser Vertrag regelt die Bewirtschaftung grenzüberschreitender  Süßgewässer. Er bietet einen Rahmen aus Grundsätzen und Regeln, deren Anwendung jeder spezifischen Charakteristik der einzelnen internationalen Wasserläufe gerecht werden kann. Mit diesem Übereinkommen wurde die erste solide Rechtsgrundlage auf globaler Ebene für internationale Zusammenarbeit geschaffen. Aktuell muss es noch von sieben Staaten ratifiziert werden, um in Kraft treten zu können. Erst letzten Monat wurde der Tschad der achtundzwanzigste Vertragsstaat!

In enger Kooperation mit dem World Wild Fund for nature wirbt unser Beirat für das Übereinkommen. Wir sind zuversichtlich, dass seine Ratifizierung im nächsten Jahr, dem Internationalen Jahr der Zusammenarbeit im Bereich Wasser, Wirklichkeit werden wird.

Meine Damen und Herren,

in den vergangenen Jahrzehnten haben die Spannungen im Zusammenhang mit Wasserfragen zugenommen. Auf der Vollversammlung der Vereinten Nationen letzten Monat sagte US-Außenministerin Hillary Clinton, der Kampf um Wasserressourcen könnte zu Terrorismus, Gewalt, politischer Instabilität und zu Konflikten führen. Eine sichere Versorgung mit Trinkwasser und Sanitäranlagen, sowie eine solide und faire Gewässerbewirtschaftung werden diese Gefahr verringern. Vor einigen Wochen hatte ich die Ehre, in Den Haag ein Zentrum der University for Peace zu eröffnen. Es wird sich mit eben diesen Fragen rund um Wasser, Frieden und Sicherheit beschäftigen. Es kann kein Zufall sein, dass wir genau dieses Thema heute in der anderen Friedensstadt, hier in Osnabrück, diskutieren. Wasser ist eine Lebensgrundlage für alle. Lassen Sie uns gemeinsam daran arbeiten, diese Grundlage wirksam zu schützen - an Ihrer Hochschule, in Deutschland, in den Niederlanden, bei den Vereinten Nationen und in der ganzen Welt!